Deutsche

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Deutsche

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1Deut|sche ['d…ĒyŐģt ÉŐģ…ô], die/eine Deutsche; der/einer Deutschen, die Deutschen/zwei Deutsche:
Angehörige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende weibliche Person: eine typische Deutsche; sie ist Deutsche.
¬† 2Deut|sche ['d…ĒyŐģt ÉŐģ…ô], das; -n <nur mit bestimmtem Artikel>:
die deutsche Sprache im Allgemeinen:
das Deutsche ist eine indogermanische Sprache; etwas aus dem Deutschen/vom Deutschen ins Franz√∂sische √ľbersetzen; der Konjunktiv im Deutschen.

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Deut|sche ‚Ć©n. 31; stets mit Art.‚Ć™
1. die deutsche Sprache
2. ‚Ć©in Zus.‚Ć™ einzelner Zweig der dt. Sprache (das Nieder\Deutsche)
3. die Aussprache der dt. Sprache, dt. Wesensart
‚óŹ das typisch \Deutsche an ihm; etwas aus dem \Deutschen ins Franz√∂sische √ľbersetzen, √ľbertragen; etwas aus dem Englischen ins \Deutsche √ľbersetzen, √ľbertragen
‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ
Deut|sche(r) ‚Ć©f. 30 (m. 29)‚Ć™ jmd., der aus Deutschland stammt, dessen Muttersprache Deutsch ist, der zum deutschen Volk geh√∂rt ‚óŹ alle \Deutschen; sie ist \Deutsche; sie hat einen \Deutschen geheiratet; ihr Mann ist \Deutscher

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1Deut|sche , die/eine Deutsche; der/einer Deutschen, die Deutschen/zwei Deutsche:
Angehörige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende weibliche Person.
2Deut|sche , das; -n <nur mit best. Art.>:
die deutsche Sprache im Allgemeinen:
das D. ist eine indogermanische Sprache;
etw. aus dem -n/vom -n ins Franz√∂sische √ľbersetzen;
der Konjunktiv im -n.

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Deutsche,
 
Angeh√∂rige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende Personen beziehungsweise Personen deutscher Abstammung; heute etwa 100 Mio. Im Sinne des GG ist Deutscher, ¬Ľwer die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit besitzt oder als Fl√ľchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugeh√∂rigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abk√∂mmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. 12. 1937 Aufnahme gefunden hat¬ę (Art. 116 Absatz 1 GG). Der Begriff ¬ĽDeutscher¬ę im Sinne des GG ist demnach weiter gefasst als der des deutschen Staatsangeh√∂rigen. Deutsche sind au√üer den B√ľrgern der Bundesrepublik Deutschland auch viele Aussiedler und Sp√§taussiedler (Staatsangeh√∂rigkeit).
 
 
Die Deutschen sind nach Herkunft und Sprache ein Teil der Germanen, die sich nach einer komplizierten, noch nicht v√∂llig erforschten Ethnogenese seit etwa der Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) in Mitteleuropa ausbreiteten. Doch kann man von Deutschen erst sprechen, nachdem bei und nach der Teilung des Fr√§nkischen Reichs im 9. Jahrhundert n. Chr. in den germanischen St√§mmen der √∂stlichen Reichsh√§lfte das Bewusstsein einer politischen Zusammengeh√∂rigkeit entstanden war. Der Name Deutsche ist daher zun√§chst als Unterscheidung, ja als Gegensatz zu der romanischen Bev√∂lkerung des Westfr√§nkischen Reichs und - seit den Romz√ľgen der Ottonen - Italiens zu begreifen (deutsch). Die Deutschen schieden sich nach Sprache (deutsche Sprache) und Recht, sp√§ter auch nach ihrer Geschichte von den ¬ĽWelschen¬ę der romanischen Welt. Dieser Vorgang begann in der Mitte des 9. Jahrhunderts, etwa zur Zeit der Stra√üburger Eide (842), und war im Wesentlichen nach einem Jahrhundert - der Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld (955) wird schon den ¬ĽDeutschen¬ę zugerechnet - abgeschlossen. Die Vorstellung einer gemeinsamen Abstammung der Deutschen entstand erst im 11. Jahrhundert. Selbst das Heilige R√∂mische Reich (deutsche Nation) bedeutete nur eine zeitlich, st√§ndisch und r√§umlich bedingte einigende Idee. Die Deutschen zeigten stets ein hohes Ma√ü von landschaftlich gepr√§gtem Individualismus, der seit dem Sp√§tmittelalter die Herausbildung einer teilweise starken Landesautorit√§t (Landesherrschaft) beg√ľnstigte.
 
Die Deutschen gliederten sich seit jeher in St√§mme, von denen einige bis in die germanische Zeit zur√ľckzuverfolgen sind. Nach der V√∂lkerwanderung siedelten in dem heute von Deutsch Sprechenden bewohnten Gebiet folgende Gro√üst√§mme: die Alemannen beiderseits des Oberrheins, die Baiern zwischen dem B√∂hmerwald, den Alpen bis zur Enns und zum Lech, die Franken beiderseits des Mittel- und Niederrheins, die Th√ľringer zwischen dem Main und dem Harz, die Sachsen zwischen der Elbe und dem Niederrhein, die Friesen auf den Nordseeinseln und an der K√ľste (¬ĽAltsiedelland¬ę).
 
In der Karolingerzeit (7./8. -10. Jahrhundert) begann, um die wachsende Bev√∂lkerung aufzunehmen, die Neusiedlung in Gestalt der Rodung. Diese ¬Ľinnere Kolonisation¬ę ist dann jahrhundertelang in die W√§lder und Berge vorgetrieben worden. Hierzu trat etwa gleichzeitig die ¬Ľ√§u√üere Kolonisation¬ę, der teils friedlicher, teils kriegerischer Erwerb von Gebieten au√üerhalb der Grenzen des aus dem Ostfr√§nkischen Reich hervorgehenden Heiligen R√∂mischen Reiches (¬ĽMarken¬ę), die von Fremdst√§mmigen d√ľnn besiedelt waren, besonders in den w√§hrend der V√∂lkerwanderung den Slawen √ľberlassenen Gebieten √∂stlich der Elbe, in B√∂hmen und dem heutigen √Ėsterreich (deutsche Ostsiedlung). Die Neusiedlung jenseits der alten Ostgrenze zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert zog starke Bev√∂lkerungsteile aus dem Altsiedelland ab, die in den neuen Siedlungsr√§umen mit der einheimischen Bev√∂lkerung (v. a. Slawen) zusammenwuchsen zu den Neust√§mmen. Die Ethnogenese der Deutschen war somit neben dem starken germanischen Element auch mit der Assimilation keltischen, r√∂mischen (romanischen) und slawischen Resteinflusses verbunden.
 
Die deutsche Ostsiedlung breitete sich in zeitlichen und r√§umlichen Wellen aus (8. Jahrhundert, 10. Jahrhundert, 12.-14. Jahrhundert). Dem Vordringen der Deutschen nach Osten folgte ein intensiver Landesausbau, dessen Ergebnis die Eindeutschung der L√§nder √Ėsterreich, K√§rnten, Steiermark, Obersachsen, Schlesien, Brandenburg, Mecklenburg, Pommern, Preu√üen und der Randgebiete B√∂hmens und M√§hrens war. Dar√ľber hinaus waren gr√∂√üere und kleinere Siedlungskerne weit nach Osteuropa hinein vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer entstanden.
 
Die (im Verh√§ltnis zur damaligen Bev√∂lkerungszahl) gr√∂√üten Bev√∂lkerungsverluste erlitten die Deutschen im Drei√üigj√§hrigen Krieg. Betrug die Bev√∂lkerung Deutschlands im 9./10. Jahrhundert sch√§tzungsweise 2,5 bis 3 Mio. Menschen, so waren es 1618 etwa 20 Mio. Diese Zahl wurde erst gegen 1800 wieder erreicht. Von Mitte/Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts kamen hierzu Neusiedlungen der Deutschen in Ost- und S√ľdosteuropa (Streusiedlungen deutscher Kolonisten ohne Ver√§nderung der im 14. Jahrhundert entstandenen deutschen Siedlungsgrenze). Diese ¬Ľdeutsche Ostsiedlung der Neuzeit¬ę v. a. entlang der √∂sterr.-t√ľrkischen Milit√§rgrenze in Ungarn (¬ĽDonauschwaben¬ę), aber auch in Brandenburg-Preu√üen (Kolonisation der Hohenzollern seit dem 17. Jahrhundert in Ostpreu√üen und im Oderbruch) sowie in Russland (Wolga-, Schwarzmeer- und Wolhyniendeutsche) stand an Zahl und Bedeutung der des Mittelalters bei weitem nach und hatte eher den Charakter gezielten Landesausbaus der absolutistischen Staaten Brandenburg-Preu√üen und √Ėsterreich. Andererseits wirkte seit dem Ende des Mittelalters (15./16. Jahrhundert) auch die Entstehung der Nationalstaaten der weiteren Ausbreitung der Deutschen nach Osten entgegen, besonders seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts.
 
Die nach absoluten Zahlen gr√∂√üten Bev√∂lkerungsverluste erlitten die Deutschen mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seit 1944. Aus dem Gebiet des Deutschen Reiches √∂stlich von Oder und Nei√üe, aus B√∂hmen und M√§hren, aber auch aus den anderen deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa wurden rd. 13 Mio. Deutsche vertrieben (zun√§chst ungeregelt, begleitet von Pogromen, dann bestimmt durch das Potsdamer Abkommen vom 2. 8. 1945); mehr als 2,5 Mio. Deutsche fanden durch Flucht, Vertreibung und Verschleppung den Tod. Der Krieg selbst hatte √ľber 5 Mio. deutsche Tote gefordert. Durch die Vertreibung der Ostdeutschen wurde die deutsche Sprach- und Siedlungsgrenze nach Westen zur√ľckgenommen.
 
Durch die Teilung Deutschlands (1949-90) waren die Deutschen - einbezogen in die Systemkonfrontation des ¬ĽKalten Krieges¬ę und des Ost-West-Konflikts - gezwungen, in zwei verschiedenen deutschen Staaten zu leben; bis zur Wiederherstellung der deutschen Einheit (3. 10. 1990) behandelte die Bundesrepublik die B√ľrger der DDR als Deutsche im Sinne des GG und sicherte mit dem Festhalten an der Fortexistenz der einheitlichen deutschen Nation vielen Deutschen in der DDR - Fl√ľchtlingen (Sowjetzonenfl√ľchtlinge) beziehungsweise Ausreiseantragsstellern - die M√∂glichkeit zur √úbersiedlung. (deutsche Geschichte)
 
 Wandlungen des Begriffs Deutsche
 
Durch die historisch-politische Entwicklung (Ausscheiden der Schweizer aus dem Verband der Deutschen seit dem 15., der Niederl√§nder seit dem 16. Jahrhundert, der √Ėsterreicher seit 1866, Gr√ľndung des Deutschen Reichs von 1871, Zerfall √Ėsterreich-Ungarns 1918, Gebietsverluste des Deutschen Reichs 1919) haben sich Einengungen des Begriffs ¬ĽDeutsche¬ę und neue Sonderbegriffe ergeben. So hat man ¬Ľdeutsch¬ę bevorzugt auf die Staatsb√ľrger des Deutschen Reichs (Reichsdeutsche) angewendet, neben denen die √Ėsterreicher standen; in der Schweiz wurde der Begriff ¬Ľdeutschsprachig¬ę √ľblich; innerhalb der √∂sterreichisch-ungarischen Monarchie (1867-1918) war im amtlichen Gebrauch ¬Ľdeutsch¬ę mit ¬Ľdeutschsprachig¬ę identisch.
 
Unter Binnendeutschen (Inlandsdeutschen) verstand man in der Regel die deutschen Staatsangeh√∂rigen. Die au√üerhalb der deutschen Reichsgrenzen lebenden Deutschen wurden Auslandsdeutsche genannt; dazu geh√∂rten: 1) die im Ausland wohnenden deutschen Staatsangeh√∂rigen (Auslandsreichsdeutsche); 2) die im Ausland lebenden Deutschen fremder Staatsangeh√∂rigkeit, die Deutsch sprachen und ihre deutsche Abstammung betonten. Unter dem Nationalsozialismus wurde 1933-45 besonders f√ľr die Deutschen, die jenseits der √∂stlichen Reichsgrenze wohnten und nicht die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit besa√üen, die Bezeichnung ¬ĽVolksdeutsche¬ę verwendet.
 
 Die Deutschen in Europa und Übersee
 
Jenseits der Grenzen des Deutschen Reichs von 1937 lebten zahlreiche deutsche Volksgruppen, zum gr√∂√üten Teil direkt jenseits der Grenze und damit in Verbindung zur deutschen Kultur, zum kleineren Teil r√§umlich von ihr getrennt in Osteuropa oder √úbersee. Jenseits der Ostgrenze werden r√§umlich und geschichtlich drei Gruppen unterschieden: 1) die seit dem Mittelalter vom Baltikum bis nach Siebenb√ľrgen, im √úbrigen meist an der Grenze des Heiligen R√∂mischen Reichs siedelnden Deutsche; 2) die im 17. bis 19. Jahrhundert in Streusiedlungen nach S√ľdosteuropa vorgedrungenen Deutschen; 3) die im 18. und 19. Jahrhundert ebenfalls in einzelnen Gruppen in Nordosteuropa angesiedelten Deutschen. Als weitere Gruppe kam hierzu im 19. und 20. Jahrhundert der deutsche Auswandererstrom nach √úbersee.
 
Die Deutschen in Ost- und S√ľdosteuropa:
 
Aus der Zeit der gro√üen Ostsiedlung (etwa 1100 bis etwa 1350) stammten die Deutschen im Memelland und in Danzig, in Oberschlesien, um Bielitz und Teschen, in B√∂hmen (mit Prag), M√§hren, Schlesien und der Slowakei, in √Ėsterreich (schon seit dem 8. Jahrhundert), im angrenzenden Westungarn, in S√ľdk√§rnten, in der Untersteiermark und in Krain. Westpreu√üen und Posen wurden damals nur teilweise mit Deutschen besiedelt. Starke Gruppen kamen ins Baltikum (Estland und Lettland, Deutschbalten) und nach Siebenb√ľrgen (Siebenb√ľrger Sachsen).
 
Die Deutschen im Memelgebiet, in Danzig, Westpreu√üen (Pommerellen), Posen und Ostoberschlesien lebten bis 1918 im K√∂nigreich Preu√üen. Sie waren im Rahmen der mittelalterlichen Ostsiedlung, zu verschiedenen Zeiten, in das Gebiet des sp√§teren K√∂nigreichs eingewandert. Die meisten Deutschen des Memelgebiets flohen Ende Juli 1944. Danzig war durch den Versailler Vertrag (1919/20) zur Freien Stadt (1920-39) gemacht worden, 1945 wurde es dem polnischen Staat eingegliedert. In den preu√üischen Provinzen Westpreu√üen und Posen lebten ebenfalls seit dem 13. und 14. Jahrhundert Deutsche, vom Deutschen Orden beziehungsweise von den polnischen F√ľrsten ins Land gerufen. Schon 1919 sank die Zahl der hier lebenden Deutschen durch Wegzug und durch Ausweisung. Viele der √∂stlich der Oder-Nei√üe-Linie lebenden Deutschen fl√ľchteten 1944-45 in das westliche und mittlere Deutschland (zur heutigen Lage Polendeutsche).
 
Die Sudetendeutschen aus den habsburgischen Kronl√§ndern B√∂hmen (Deutschb√∂hmen genannt), M√§hren und √Ėsterreichich-Schlesien bildeten nach den √Ėsterreichern, die heute eine eigenst√§ndige nationale Identit√§t besitzen, die zweitgr√∂√üte deutsche Volksgruppe unmittelbar jenseits der Grenzen des Deutschen Reiches, zusammen mit einigen Siedlungsgebieten um Budweis, Iglau, Br√ľnn, Olm√ľtz u. a. In diesen seit 700-800 Jahren von Deutschen besiedelten Randgebieten B√∂hmens und M√§hrens wurden 1945 alle Sudetendeutschen zur Aussiedlung bestimmt, nachtr√§glich sanktioniert durch die BeneŇ°-Dekrete. Sie kamen v. a. in die amerikanisch und die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands sowie nach √Ėsterreich. Etwa 250 000 Deutsche blieben im Land. Ein √§hnliches Schicksal erlitten die Deutschen in der Slowakei, die seit dem 13. und 14. Jahrhundert als Bergleute nach Oberungarn gekommen waren (u. a. Zipser Sachsen). In der 1919 an Jugoslawien gefallenen Untersteiermark (Marburg an der Drau) und in dem 1919 an Italien gekommenen Kanaltal (S√ľdk√§rnten) leben nur noch geringe Reste von Deutschen. Aus dem Mittelalter stammten auch die deutschen Sprachinseln in Krain, die ebenfalls 1919 an Jugoslawien kamen; w√§hrend des Zweiten Weltkriegs wurden 1940/41 15 000 Jugoslawiendeutsche aus den Gebieten von Gottschee und Laibach ins Deutsche Reich umgesiedelt (¬ĽVertragsumsiedler¬ę).
 
Als gr√∂√üte der vom geschlossenen deutschen Sprachgebiet getrennten Gruppen bildeten die der Siebenb√ľrger Sachsen seit um 1150 drei geschlossene Siedlungsgebiete (um Bistritz, Hermannstadt und Kronstadt). Ab 1944 fl√ľchtete ein Teil von ihnen nach Deutschland und √Ėsterreich beziehungsweise teilte das Schicksal aller Rum√§niendeutschen; besonders ab 1989 (bis 1993/94) ging ihre Zahl in Rum√§nien durch Auswanderung nach Deutschland stark zur√ľck.
 
Nach den T√ľrkenkriegen entstanden im habsburgischen Ungarn mehrere Siedlungsgebiete der Ungarndeutschen, dann der Banater Schwaben, der Deutschen in der Batschka, der Schw√§bischen T√ľrkei, Slawonien (¬ĽDonauschwaben¬ę), im Gebiet von Sathmar (Sathmarer Schwaben) und im sp√§teren Karpatorussland (Karpatendeutsche). Nach der ersten Teilung Polens (1772) traten hierzu deutsche Streusiedlungen in Galizien (Galiziendeutsche) und der Bukowina (Bukowina- beziehungsweise Buchenlanddeutsche), dazu die im 19. Jahrhundert entstandenen deutschen Siedlungen in Altrum√§nien, der Dobrudscha (Dobrudschadeutsche) und an der ehemaligen Milit√§rgrenze in Bosnien. Die Schicksale dieser Volksgruppen waren nach 1918 unterschiedlich. W√§hrend die Deutschen im Kerngebiet Ungarns dort verblieben, wurde das Banat auf Ungarn, Rum√§nien und Jugoslawien verteilt, die Batschka auf die beiden Letzteren, Sathmar und die Bukowina fielen an Rum√§nien, Slawonien und Bosnien an Jugoslawien, Karpatorussland an die Tschechoslowakei, Galizien an Polen. Die Mehrzahl der Ungarndeutschen wurde 1944/45 ausgesiedelt beziehungsweise vertrieben; nur etwa 270 000 blieben im Land. Ein Teil der Rum√§niendeutschen kam w√§hrend des Zweiten Weltkriegs durch Umsiedlungsvertr√§ge nach Deutschland und √Ėsterreich beziehungsweise wurde (wie auch viele Ungarn- und Jugoslawiendeutschen) bei Kriegsende ab Dezember 1944 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt; nur etwa die H√§lfte der deportierten Deutschen (√ľber 700 000; v. a. Jugendliche und Frauen) kehrten zur√ľck, zum Teil erst in den 50er-Jahren. Aus Jugoslawien wurden w√§hrend des Zweiten Weltkriegs die Deutschen in Bosnien und ¬ĽRestserbien¬ę ebenfalls ins Deutsche Reich umgesiedelt. Aus dem Banat und der Batschka kamen nach 1945 zahlreiche Fl√ľchtlinge und Vertriebene hinzu, die besonders im westlichen Teil Deutschlands und in √Ėsterreich aufgenommen wurden. Die Deutschen in Galizien wurden zumeist 1939/40 in das Deutsche Reich umgesiedelt (um 65 000; Vertragsumsiedler).
 
Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden neue Siedlungen von Deutschen in Russland (Russlanddeutsche). So kamen 1763-67 unter Katharina II. zu g√ľnstigen Bedingungen Deutsche in die Kirgisensteppe an der Wolga, seit 1787 in die Ukraine. Der dortige Zuzug wurde erneut durch Zar Alexander I. gef√∂rdert (1804-09), desgleichen seit 1814 der in das den T√ľrken abgenommene Bessarabien (Bessarabiendeutsche); auf die Krim und in das Land n√∂rdlich und s√ľdlich des Kaukasus kamen ebenfalls Deutsche. Auch in Polen setzte im 18. Jahrhundert eine neue deutsche Siedlungsbewegung ein, jedoch nicht vom Staat, sondern von √∂rtlichen Stellen ins Leben gerufen; sie ging nach den Teilungen Polens im russischen Herrschaftsgebiet weiter und endete in Kongresspolen erst mit der Bauernbefreiung 1861. Die gr√∂√üte dieser Streusiedlungen war die von Lodz, wo die deutschen Einwanderer seit 1820 eine Textilindustrie aufbauten. Von Kongresspolen aus wurden in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts als j√ľngste deutsche Gruppe in Osteuropa die Siedlungen im Cholmer und Lubliner Land, v. a. aber in Wolhynien (Wolhyniendeutsche) gegr√ľndet. Schlie√ülich kam es noch zu einer privaten b√§uerlichen Siedlung von Deutschen in Litauen, meist von Ostpreu√üen aus.
 
Die 1944 nach Deutschland gefl√ľchteten 220 000 Russlanddeutschen wurden nach 1945 zum Teil (aus der SBZ) in das Innere der Sowjetunion verschleppt, ebenso die seit 1920 im rum√§nischen Staatsverband lebenden Bessarabiendeutschen. Von den Deutschen, die 1920/21 an Polen kamen, wurden nach dem ¬ĽPolenfeldzug¬ę 170 000 aus Wolhynien und Ostpolen umgesiedelt (1939-43), meist in die damaligen Reichsgaue Wartheland und Danzig-Westpreu√üen (Vertragsumsiedler).
 
Deutsche in √úbersee:
 
Schon 1608 (Jamestown, Virginia) beginnend, kam es 1683 in Pennsylvania zur ersten gr√∂√üeren geschlossenen Siedlung von Deutschen in den USA (Germantown; Pennsylvania Dutch). Im 19. Jahrhundert, besonders stark seit 1848, wanderten viele Deutsche, v. a. aus dem katholischen S√ľdwestdeutschland, in die USA aus (Deutsch-Amerikaner) und wurden im amerikanischen ¬ĽSchmelztiegel¬ę assimiliert (bis zum Ersten Weltkrieg √ľber 5,5 Mio.). In Kanada begann um 1750 eine anfangs geringe Siedlung durch Deutsche (zwischen 1784/85 bis etwa 1830 starke Einwanderung von Pennsylvaniadeutschen, dann v. a. auch von Deutschen aus Osteuropa); die Zahl der Deutsch-Kanadier nahm im 19. Jahrhundert, dann nochmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nach 1945 wesentlich zu. Schon seit dem 17. Jahrhundert wanderten Deutsche auch nach Mittel- und v. a. S√ľdamerika aus; hier haben sich - anders als in den USA - deutsche Sprache und Kultur in geschlossenen und Streusiedlungen erhalten. Nach vier Phasen deutscher Einwanderung (1816/17 bis in die 1820er-Jahre, 1851-59, um 1866-1900, um 1920-30) steht Brasilien an der Spitze der Ziell√§nder; heute leben die Deutschen zumeist in den Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina, S√£o Paulo und Paran√°. In Argentinien wurde 1836 die erste deutsche Ansiedlung gegr√ľndet; bedeutend wurde die deutsche Einwanderung erst Ende der 1880er-Jahre. Ein neuer Zuzug kam nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. In Chile siedelten sich die ersten Deutschen zwischen 1846 und 1876 sowie 1882-90 an, u. a. 1850 bei Valdivia und in der Provinz Chilo√©, sp√§ter dann auch in Santiago, Valpara√≠so und Concepci√≥n.
 
In die √ľbrigen Erdteile sind nur wenige Deutsche ausgewandert. In Australien, nach ersten deutschen Siedlern schon ab 1788/90, begann eine gr√∂√üere deutsche Einwanderung um 1838; bis 1914 war es neben der britischen die zweitst√§rkste Besiedlung. In Afrika siedelten Deutsche schon mit den Buren. In den Schutzgebieten des Deutschen Reiches (1883/84-1918) war klimatisch nur (Deutsch-)S√ľdwestafrika f√ľr eine bodenst√§ndige deutsche Besiedlung geeignet, die sich dort auch erhalten hat (Namibiadeutsche).
 
 
Dokumentation der Vertreibung der D.n aus Ost-Mitteleuropa, hg. v. T. Schieder, 5 Bde. in 8 Tlen. (1954-61, Nachdr. 1984);
 
Atlas der dt. Volkskunde, N. F., hg. v. M. Zender, 3 Bde. (1959-96);
 K. Ploetz: Raum u. Bev. in der Weltgesch. Bev.-Ploetz, bearb. v. E. Kirsten u. a., 4 Bde. (31965-68);
 
Der Volksname Deutsch, hg. v. H. Eggers (1970);
 
Hb. der dt. Wirtschafts- u. Sozialgesch., hg. v. H. Aubin u. W. Zorn, 2 Bde. (1-21976-78);
 G. Franz: Der Dreißigjährige Krieg u. das dt. Volk (41979);
 L. Dralle: Die D.n in Ostmittel- u. Osteuropa. Ein Jahrtausend europ. Gesch. (1991);
 
D. im Ausland - Fremde in Dtl. Migration in Gesch. u. Gegenwart, hg. v. K. J. Bade (31993);
 
D. im Osten. Gesch., Kultur, Erinnerungen, bearb. v. Wolfgang Schulz, Ausst.-Kat. (1994);
 
Die D.n in Ostmittel- u. S√ľdosteuropa. Gesch., Wirtschaft, Recht, Sprache, hg. v. G. Grimm u. a., 2 Bde. (1995-96);
 H. Nawratil: Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948. Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit (102001).

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1Deut|sche, der u. die; -n, -n <Dekl. ‚ÜĎAbgeordnete>: Angeh√∂rige[r] des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende Person: ein typischer -r; sie ist D.; die -n (die deutsche Mannschaft, die deutschen Sportler) haben die Fu√üballweltmeisterschaft gewonnen.
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2Deut|sche, das; -n <nur mit best. Art.>: die deutsche Sprache im Allgemeinen: das D. ist eine indogermanische Sprache; etw. aus dem -n/vom -n ins Franz√∂sische √ľbersetzen; der Konjunktiv im -n.

Universal-Lexikon. 2012.


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